Vortrag in Herxheim, Pfalz, Deutschland

Das Heilige – Unheilige Land:
Israel und Palästina zwischen Gewalt und Sehnsucht nach FriedenINCIDENT REPORT. I. Tanner. Mahmoud Mohammed Hayel Ka’abne father of family of ten, whose home was demolished in Ein Al Hilwa, 010115-176

In Herxheim / Pfalz, meinem Geburtsort erzähle ich über meine  Erfahrungen als Menschenrechtsbeobachterin in Palästina 2014 /2015

Freitag, 2. Oktober 2015 19.00 Uhr im kath. Pfarreiheim Herxheim

Herzliche Einladung

Vorträge

Das Heilige – Unheilige Land: Israel und Palästina zwischen Gewalt und Sehnsucht nach Frieden

INCIDENT REPORT. I. Tanner. Mahmoud Mohammed Hayel Ka’abne father of family of ten, whose home was demolished in Ein Al Hilwa, 010115-176Herzlich lade ich ein zu zwei Anlässen, bei denen ich von meinen Erfahrungen im Menschenrechtseinsatz in Palästina mit EAPPI erzählen werde:

Samstag, 21. Februar 2015, 19.30 Uhr mit anschl. Köstlichkeiten aus Palästina

Mittwoch, 18. März 2015, 14.30 Uhr

beide Anlässe im kath. Pfarreiheim Degersheim

 

Der letzte Besuch

Wir sind am Abschied nehmen. Das neue Team ist schon da. Zur Zeit leben wir zu zehnt in unserer Drei-Zimmer-Wohnung mit nur einem Badezimmer. (Gar nicht sooo schlimm, aber ich freu mich schon wieder auf meine eigenen vier Wände!) Wir erklären ihnen unsere Arbeit und fahren mit ihnen in ein paar Dörfer.

Gestern waren wir in Ein ad Duyuk bei Abu Ismael. In der Zeit, in der wir hier waren, hat er uns einige Male angerufen, ob wir kommen könnten. Menschen einer israelischen Siedlung in der Nähe seines Dorfes haben ihnen ein paar Mal Schwierigkeiten gemacht. Einmal haben wir mit zwei Jungs gesprochen (13 und 15 Jahre alt), die davon berichteten, dass sie von zwei Siedlern mit einer Waffe und mit Worten bedroht worden wären. Die beiden hatten grosse Angst, dass die Siedler wiederkommen würden. Ein andermal rief er uns nachts an, weil ein paar israelische Siedler ins Dorf gekommen waren und Steine auf die Hausdächer warfen. Aus Sicherheitsgründen durften wir erst am nächsten Morgen zu ihm fahren. Dadurch sind wir den israelischen Siedlern nie begegnet, auch wenn wir bewusst öfter in Ein ad Duyuk vorbeigeschaut haben als an anderen Orten.

Abu Ismael führte das neue Team ein in die verschiedenen Problemfelder, die ihn und sein Dorf beschäftigen. Ein grosses Thema ist der sogenannte „Nuweima-Plan“. Die israelische Regierung hat im Sommer 2014 angekündigt, verschiedene Beduinengemeinschaften, die entlang der Strasse zwischen Jericho und Jerusalem leben, zusammenzuführen im Gebiet von Nuweima in der Nähe von Jericho. Den Beduinen wird Land angeboten in einer Art „township“ mit Wasser- und Stromanschluss. Im Moment ist die Umsiedlung von 46 Beduinengemeinschaften vorgesehen, was ca. 7 000 Menschen entsprechen würde, die Pläne für Nuweima sehen Platz für mehr als 12 500 Personen vor. (1)

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Abu Ismael mit dem neuen Team

Wir haben mit einigen dieser Beduinen-Gemeinschaft über den Plan gesprochen. Alle, ausnahmslos alle, mit denen wir gesprochen haben, lehnen diesen Plan ab. Sie wollen ihr freies Leben führen, wie sie es gewohnt sind. Abu Ismael zeigt uns auf einem Plan, der er erhalten hat: „Schaut, der Platz, den man uns zuweisen will, wird nicht reichen, unsere Tiere mitzunehmen. Und als Beduinen sind wir es nicht gewohnt, mit anderen Familien in der Nachbarschaft zu leben.“ Das Stammesdenken dieser Menschen ist sehr ausgesprägt. Der Plan sieht vor, drei verschiedene Beduinenstämme an einem Ort zusammenzuführen, was für sie unvorstellbar ist und grosse Spannungen schaffen würde. Abu Ismael erklärt weiter: „Bei uns Beduinen darf die Frau sich nicht in der Öffentlichkeit zeigen. Deshalb können wir nicht in so enger Nachbarschaft leben, das würde ja dazu führen, dass die Frauen und Mädchen das Haus gar nicht mehr verlassen können.“ All diese Nachteile wiegen schwer. Viel schwerer als das Angebot, Wasser- und Stromanschluss zu erhalten. Abu Ismael ist sich sicher: „Wir alle wollen weiterhin als Beduinen leben. Der Nuweima-Plan taugt nicht für uns.“ Sein Gesicht ist sorgenvoll. Er hat Angst davor, dass die israelische Regierung den Plan trotz Gerichtsklagen durchsetzen und sie zwangsumsiedeln wird.

Während Abu Ismael erzählt, hören wir alle aufmerksam zu. Doch schon relativ bald werden wir von seiner Frau und den Kindern gerufen. Wir gehen mit den beiden neuen Team-Mitgliedern zu ihnen. Sehr herzlich werden wir begrüsst. Bald schon verständigen wir uns mit Händen und Füssen und den arabischen Wörtern, die Amanda kann, und lachen viel miteinander. Angelika aus dem neuen Team traut sich, beim Brotbacken mitzuhelfen. Es ist so wundervoll leicht und fröhlich mit diesen Menschen. Trotz eisiger Kälte geniesse ich die Zeit, die verfliegt.

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Jetzt heisst es Abschied nehmen. Ich überreiche Abu Ismael zwei Kinderzeichnungen, die SchülerInnen einer sechsten Klasse aus Degersheim gemalt haben für die Menschen in Palästina. Er ist sichtlich berührt über diese Geste. Wir danken ihm für die grosse Gastfreundschaft, die wir immer bei ihm erfahren haben und wünschen ihm und seinem Dorf alles Gute. Auch er dankt uns. Seine Augen werden feucht, als er uns sagt: „Danke, dass ihr da wart. Durch eure Anwesenheit haben wir uns sicherer gefühlt.“

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Bishara erklaert Abu Ismael die Bilder

Wie gut zu wissen, dass er die Telefonnummern des neuen Teams hat, die Gesichter schon kennt und bald wieder besucht werden wird!

In mir mischen sich Trauer und Freude. Trauer, dass wir gehen und gute Freunde hier zurücklassen. Freude darüber, dass ihm unsere Anwesenheit wichtig war. Vielleicht haben wir ja etwas bewirkt mit unserem Einsatz.

1 siehe: http://www.ochaopt.org/documents/ocha_opt_communities_jerusalem_factsheet_september_2014_english.pdf und http://www.btselem.org/area_c/20140917_plans_to_transfer_bedouins_to_ramat_nueimeh

Alles steht still

Manchmal gehen Wünsche schneller in Erfüllung, als man denkt… Im letzten blogeintrag über das Schweigekloster in Bethlehem habe ich am Ende von meinem Wunsch geschrieben, ein paar Tage länger dort sein zu dürfen. Und schon bin ich wieder hier!

Seit Tagen wurden die Warnmeldungen vor einem Wintereinbruch immer dringlicher. Im warmen Jericho mussten wir allerdings lachen, als wir bei den Anweisungen für die Vorbereitung auf den Winter lasen, wir sollten auch eine Schneeschaufel kaufen. Wir wären sicher das einzige Haus in Jericho mit einer Schneeschaufel.

Jetzt ist er tatsächlich da, der Winter, mit Schnee und Hagel in den höheren Lagen und Regen mit Überschwemmungsgefahr und Kälte im Jordantal. Als am Dienstag die Nachricht kam, dass ab Mittwoch wahrscheinlich viele Überlandstrassen gesperrt werden würden und wir dann bis auf Weiteres im Haus bleiben müssten, schickten mich meine KollegInnen wieder zurück nach Bethlehem ins Kloster. Wenn wir ja doch nicht arbeiten können, dann tut es der engen Wohnung gut, wenn weniger Leute anwesend sind. Am Mittwochmorgen fuhr schon kein Bus mehr. Und das Unwetter hatte unsere Internetleitung lahm gelegt. So brachte mich unser Fahrer mit dem Auto nach Bethlehem und die Schwestern waren sehr überrascht und amüsiert, dass ich schon wieder vor der Tür stand.

Hier in Israel und Palästina ist quasi alles geschlossen, Schulen, öffentliche Einrichtungen, Geschäfte, selbst der Auto – Checkpoint hier ist zu. Nicht jedes Jahr hat es Schnee und Kälte um oder unter dem Nullpunkt. So sind sich die Menschen hier nicht gewohnt, mit Schnee Auto zu fahren. Deshalb werden die Strassen geschlossen, bevor Unfälle passieren und man sie wegen den Unfällen schliessen müsste.

Für mich und viele von uns, die Schnee gewohnt sind, ist es wirklich lustig, dass wegen 2 cm Schnee keine Autos mehr fahren und die Leute die Häuser nicht mehr verlassen. Zum anderen ist es auch ein Zeichen, dass man auf die Natur hört, ein Zeichen menschlicher Demut vor den Naturgewalten, ein Eingeständnis, dass man nicht alles im Griff hat. Und es wäre wohl auch unverhältnismässig für 2 Tage Schnee im Jahr ganzen Land Schneepflüge anzuschaffen oder Winterreifenpflicht einzuführen.

So haben wir nun unerwartet ein paar freie Tage. Morgen, spätestens übermorgen soll der Alltag wieder beginnen können. Bis dahin singe ich hier mit den Schwestern.

Dieser Wintereinbruch hat übrigens Israel genauso getroffen wie die besetzten palästinensischen Gebiete. Es kamen sogar mehr Meldungen über Stromausfälle aus Israel als aus Palästina.

In Gedanken bin ich fest bei den Menschen, deren Häuser vor kurzem zerstört wurden und die nun in Zelten leben, bei den Beduinen mit ihrer einfachen Lebensweise und bei den Menschen in Gaza, die nicht nur von der Kälte sondern auch von Unmengen von Wasser und vielen Überschwemmungen heimgesucht werden in ihrem zerstörten Land.

Und mein nächster Wunsch? Dass die israelische Besatzung der palästinensischen Gebiete aufhören möge. Wäre wundervoll, wenn auch dieser Wunsch bald in Erfüllung gehen würde…

Das Kloster an der Mauer

Ich habe mich für ein paar Tage zurückgezogen in die Stille eines Klosters, um ein wenig zur Ruhe zu kommen und all die Erfahrungen der letzten Monate ein wenig zu verdauen.

Das Kloster Emmanuel liegt direkt an der Mauer in Bethlehem, ein paar Schritte entfernt von einem grossen checkpoint. Die Schwestern lebten hier schon lange, bevor die Mauer gebaut wurde. Sie kamen ursprünglich aus einem Benediktinerinnenkloster in Algerien. Der damalige melkitische Erzbischof von Galiläa lud sie ein, ins Heilige Land zu kommen. 1963 starteten sie ihr klösterliches Leben in Bethlehem. Sie bauten eine wunderschöne Kirche, die mit vielen Ikonen bemalt ist und in der sie täglich mehrfach beten. Die Schwestern gehören der byzantinischen oder melkitischen Kirche an. Die melkitisch-katholische Kirche ist mit der römisch-katholischen Kirche vereint. Das bedeutet, dass sie den Papst anerkennen und wir alle Sakramente teilen. Es hat auch einige Unterschiede, zum Beispiel in der sehr feierlichen gesungenen Liturgie. Und für uns römisch-katholische Christen sehr ungewohnt und erfreulich: Die Priester der melkitisch-katholischen Kirche dürfen heiraten.

Die feierlich gesungenen Gebete in der Klosterkirche sind meist auf arabisch, teilweise auch auf französisch. Ich sitze in der Nähe der Schwestern im Chor. Immer wieder eilt mir eine Schwester zu Hilfe, um mir in irgendeinem ihrer vielen Bücher wieder die Texte zu zeigen. Sie beziehen ihre Gäste gern mit ein ins Gebet, indem sie Lesungen vortragen. Gestern fragte mich die Oberin während des Gebetes, ob ich die nächste Lesung halten wolle. Nachdem ich ihr zugenickt hatte, wurde mir plötzlich ganz warm in der eigentlich eiskalten Kirche – auf französisch einen mir unbekannten Text vorzutragen, war doch eine kleine Herausforderung! Ich bewundere die Schwestern für ihre Liebe zur Liturgie. Sie werden nicht müde zu singen und zu beten. Gestern dauerte der Gottesdienst mit eingebauter Vesper und Wasserweihe über zwei Stunden.

Ich lerne viel über die mir unbekannte melkitische Tradition. Eine Schwester sah mein fragendes Gesicht, als sie mit einer Thermoskanne zum Altar eilte. Sie flüsterte mir lächelnd zu, dass das Wasser, das der Priester zum Wein dazu gibt, ganz heiss sein muss. Ein Symbol für die brennenden Herzen, für die Begeisterung für Christus. Vielleicht sind deshalb diese Schwestern so herzlich und verbreiten eine so warme Atmosphäre?

Natürlich beeinflusst die Situation der Besatzung Palästinas durch Israel auch den Alltag der Schwestern. Sie leiden mit den christlichen Familien im Umfeld des Klosters und scheinen recht gut informiert zu sein über die politische Situation. Direkt gegenüber dem Klostereingang haben sie eine Ikone malen lassen. Sie trägt den Titel: Maria, die bewirkt, dass Mauern fallen (Notre Dame qui fait tomber des murs). Die Schwestern haben mir erzählt, dass der Ikonenmaler nicht ganz schwindelfrei war. So musste jeweils eine Schwester die Leiter halten. An einem Nachmittag war eine der älteren Schwester an der Reihe für diesen Leiterdienst. Als sie zurückkam, strahlte sie und meinte, sie habe sich den ganzen Nachmittag über auf englisch unterhalten. Die Schwestern stutzten, schliesslich werden Ikonen betend und schweigend gemalt. Sie schmunzelte dann und meinte, sie habe den ganzen Nachmittag dem Ikonenmaler auf englisch das Herzensgebet wiederholt: „Yes, Abba, Jesus, Love“. jericho und bethlehem 1 086 Eine der Schwestern meinte, ihr gefalle besonders gut, dass Maria den Kopf neigt. Sie neigt den Kopf beiden Seiten zu, den Menschen auf beiden Seiten der Mauer, Israelis genauso wie Palästinensern. Sie hört dem Leiden zu – und lädt ein, selbst zu Hörenden zu werden. Wenn wir auf Gott und aufeinander hören, dann kann Friede entstehen.

MIch erinnert diese Ikone auch an die Mauern, die uns in den Religionen trennen. Die melkitische Kirche ist in ihren Ausdrucksformen sehr verschieden von unserer gewohnten katholischen Kirche. Und doch ist die Andersartigkeit kein Grund der Trennung, wir gehören zusammen. Hier gibt es keine Trennmauern. Mögen die Mauern auch zwischen allen anderen Konfessionen und Religionen fallen!

Mit all diesen Geschichten und Gedanken habe ich diese Ikone an diesem sehr ungewöhnlichen Ort sehr lieb gewonnen. Und ein Teil in mir wäre gern länger zu Gast bei den Schwestern geblieben.

Sumud – Widerstand und Durchhaltevermögen in Palästina

Sumud – Widerstandskraft als herausragende Eigenschaft

SUMUD ist ein arabisches Wort  und steht für Standfestigkeit und Widerstand. Es beschreibt auf besondere Weise die Kraft vieler Palästinenserinnen und Palästinenser, auszuhalten, auf dem Land zu bleiben, das ihr Land ist, ohne sich vertreiben zu lassen und zugleich aktive Formen von Widerstand einzuüben.

Ein Gespräch mit Abu Sakar zeigt auf, wie SUMUD konkret aussehen kann.

im zelt in hadidiya

Im Zelt mit Abu Sakar

Wir haben ihn nach einer langen holprigen Anfahrt über eine Feldstrasse in seinem Zelt in Hadidiya getroffen. Als wir ankamen, sahen wir zu unserer Überraschung direkt hinter dem Dorf die schönen Häuser der israelischen Siedlung Roi. Die israelische Siedlung hat natürlich eine direkte, gut ausgebaute Zugangsstrasse.

Abu Sakar ist ein interessanter Gesprächspartner. Er lässt uns gern an seinen reichen Erfahrungen teilhaben. Zu Beginn erzählt er uns die Geschichte des Dorfes:

“Wie ihr seht, bin ich nicht mehr ganz jung. Ich erinnere mich aber noch gut, als ich als Kind hier Schafe gehütet habe. Als mein Vater ein Kind war, ist auch er mit den Schafen über diese Weiden gezogen. Solange wir uns zurück erinnern, haben wir hier gelebt. Wir haben das Landrecht aus der Ottomanischen Epoche. 1967 lebten hier rund 300 Familien, 1997 waren es noch etwa 50 Familien. Heute sind wir nur noch eine Handvoll.”

Wir fragen nach den Gründen für den Wegzug so vieler Familien.

“Alle unsere Gebäude haben einen Abbruchbefehl. Viele Häuser und Ställe wurden schon zerstört.

Als die israelischen Soldaten 2002 mein Haus zerstört haben, haben sie auch meine Wassertanks konfisziert. Sie haben mir gesagt, dass ich die Tanks zurückkaufen könne, wenn ich mein Land verlassen und ein Dokument unterschreiben würde, dass ich nie mehr hierher zurückkomme. Da habe ich mich entschieden, meine Wassertanks dem israelischen Militär zu überlassen, denn unsere Zukunft ist hier.

Wir arbeiten an einem Dorfentwicklungsplan, um zu zeigen, dass es uns ernst ist damit, hier zu bleiben.“ 

Wir fragen nach dem Kontakt mit den israelischen Siedlern, die etwa 100 Meter entfernt leben. Mit einem Lächeln erzählt er:

“Manchmal kommen israelische Siedler mit israelischen Soldaten hierher, um uns zu erschrecken und uns zum Wegzug zu bewegen. Das letzte Mal kamen sie im Oktober 2014. Sie haben unsere Häuser betreten, haben in meiner Küche den Zucker und andere Sachen auf den Boden geworfen. Dann sind sie wieder gegangen. Danach haben wir das Haus gereinigt und neuen Zucker gekauft. Davon geht die Welt auch nicht unter.

Zwischen 2001 und 2011 wurde mein Haus sechs Mal vom israelischen Militär zerstört.

Jedes Mal baue ich es wieder auf – immer ein wenig näher an der israelischen Siedlung. Wenn sie wiederkommen werden und mein Haus wieder zerstören werden, werde ich nochmal 50 m näher an die Siedlung herangehen beim Neubau.

Ein grosses Problem sieht er allerdings darin, dass sie keine Schule haben, weder im Dorf selbst noch in einem der Dörfer ringsum. Er fährt fort:

“Meine jüngste Tochter ist 7 Jahre alt, mein ältester Junge, der noch in die Schule geht, 14. Sie leben von Sonntag bis Donnerstag in der nächstgelegenen Stadt, in Tubas, wo sie die Schule besuchen. Manchmal ist ihre Mutter bei ihnen, aber oft sind sie allein in der Wohnung in der Stadt. Ich bin oft sehr unruhig und mache mir Sorgen um sie. Aber im Moment habe ich keine andere Wahl. Ich setze mich sehr ein für die Schule in Khirbet Samra, (siehe: https://weihnachteninbethlehem.wordpress.com/2014/11/07/eine-dorfschule-braucht-eure-unterstutzung/) aber nun hat dieses Gebäude auch einen Abbruchbefehl bekommen. Ich hoffe sehr, dass wir dort eine Schule installieren können.

 Ich frage Abu Sakar nach den vielen Tauben, die ich in seinem Dorf sehe, ein ungewohnter Anblick im Jordantal.

Wieder antwortet er lächelnd:

“Die israelischen Soldaten haben mir gedroht, dass sie die Ställe für meine Schafe und Ziegen zerstören werden. Da habe ich angefangen mit einer Hühner- und Taubenzucht. Und dort drüben habe ich Bäume gepflanzt. Wenn sie nun die Ställe zerstören werden, werden die Hühner und Tauben einfach da drüben bei den Bäumen weiterleben und bleiben mir erhalten.”

Immer wieder hat Abu Sakar während unseres Gespräches gelächelt. Er scheint eine unendliche Kraft zu haben, allen Widerwärtigkeiten zu trotzen. Ich frage ihn, was ihm die Kraft gibt, hier zu bleiben, auf seinem Land, dem Land seiner Familie und seiner Väter.

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Abu Sakar mit meinem Neffen Daniel

”Ich mag keine Gewalt, weder selbst erleben noch anderen zufügen. Wir hier erfahren oft Gewalt durch die israelischen Siedler und Soldaten. Das hat Widerstandskraft in mir wachsen lassen, SUMUD. Ich weiss, dass ich für mein Recht kämpfe, dass ich auf der richtigen Seite stehe. Wenn du weisst, dass du das Richtige tust, dann hast du auch die Kraft dafür.”

 Regen setzt ein. Abu Sakar freut sich darüber, Regen ist im Jordantal immer sehr kostbar. Wir machen uns allerdings schnell auf den Heimweg, bevor die holprige Feldstrasse allzu sehr aufweicht. Doch zuvor danken wir Abu Sakar für sein lebendiges Beispiel von SUMUD.